Dienstag, 10. Januar 2017

★ Niemalsland ★ Neil Gaiman ★



Autor: Neil Gaiman
Übersetzer: Tobias Schnettler
Illustratorin: Saskia Wragge
Seiten: 431
Verlag: Eichborn
Formate: eBook, Paperback und Hörbuch
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Vorab
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Niemalsland ist der Debütroman des Autors, welche ursprünglich schon vor vielen Jahren das erste Mal erschienen ist. Zudem gibt es eine BBC-Miniserie gibt, die ich (noch) nicht gesehen habe, es aber wohl bald nachholen werde. Für mich war es zudem der erste Roman für Erwachsene von ihm, auch wenn ich sonst schon ein paar Werke von ihm kannte.
Euch erwartet hier eine leicht abgedrehte Geschichte, bei dem die Schreibart manchmal genauso skurril ist wie das Geschriebene selbst. Kommt mit auf eine Reise in ein ganz anderes London – mit nach Unterlondon.
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Klappentext
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Richard Mayhew führt ein unaufgeregtes Leben in London, bis ihm eines Tages ein verletztes Mädchen direkt vor die Füße fällt und ihn um Hilfe bittet. Richard willigt ein und gerät dadurch in ein Abenteuer, das er sich in seinen Träumen nicht hätte vorstellen können. Denn Door ist kein gewöhnliches Mädchen, sondern gehört zum verborgenen Reich von "Unter-London". Mit ihr landet Richard in einer Welt, die weit seltsamer und gefährlicher ist, als alles, was er vorher kannte.
(Quelle: luebbe.de)

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Cover & innere Gestaltung
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Das Paperback kommt in einem angenehmen großen Format daher – fast oder genauso groß wie ein Hardcover. Und falls ihr euch jetzt fragt warum es kein Hardcover ist, ich weiß es auch nicht so recht.
Zur Ausstattung gehört außerdem eine wunderschöne Klappbroschur, welche Innen ganz wundervoll bedruckt ist und schon ein gutes Feeling für die Geschichte vermittelt.

Dazu gesellen sich noch schöne Illustrationen im Text, welche Tiere oder Gegenstände zeigen die eine Rolle im Buch spielen.
Hier gibt es aber auch einen großen Wehmutstropfen (vielleicht auch nur für mich): Ebenfalls in diesem Jahr erschien auch im Original eine Neuauflage mit den Illustrationen von Chris Riddell und dieses sind ganz ganz wunderbar und sie zeigen die Charaktere in ganz besonderen Portraits, die nochmal viel mehr und besser zur Stimmung im Buch passen. Saskia Wragge, die Illustratorin der deutschen Ausgabe hat dennoch auf jeden Fall einen guten Job geleistet, aber gegen Chris Riddell ist bei den Werken von Neil Gaiman wahrlich nur schwer anzukommen. Jedenfalls weiß ich nicht, ob diese Ausgaben – die deutschen und die englische – unabhängig voneinander entstanden sind oder vielleicht die Rechte nicht freigegeben wurden. In jedem Fall finde ich es sehr bedauerlich.
Falls euch die Originalillustrationen interessieren, dann bemüht Google mit den Suchbegriffen „Chris Riddell Neverwhere“ und gleich der erste Treffer (zumindest derzeit) bringt euch zu der Seite von „The Guardian“ mit einigen (oder allen?) Illustrationen der englischen Ausgabe.

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Meinung
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Nun aber zum Inhalt an sich: Willkommen in einer ganz besonderen Geschichte mit ganz besonderen Figuren.
Hier begegnen euch richtige Charaktere, die alle ihr Päckchen zu tragen haben und so sind wie sie sind. Der Erzähler führt uns durch die Geschichte die zwar ein Ganzes ist und soweit auch fortlaufend erzählt wird, bei der aber immer wieder andere Figuren bzw. Gruppen im Fokus stehen. Zu einem großen Teil folgen wir aber Richard Mayhew.
Gerade war sein Leben noch absolut gewöhnlich, da stolpert auf einmal eine verwundetes Mädchen vor seine Füße und ab diesem Moment war es das mit seinem Leben, wie er es bis jetzt kannte und wird in eine andere Welt gezogen. Er ist nur hilfsbereit, aber das verändert sein Leben zur Gänze und so begeben wir uns mit ihm in das London unter dem London, welches wir kennen. Nach Unterlondon. So unmöglich es klingt so wahr fühlt sich die Erzählung und die Möglichkeit, dass es so existieren könnte, an.
Die Art des Erzählens bleibt konsequent die gleiche und man merkt nach den Abschnitten entweder sehr schnell am Inhalt um welchen Strang es sich handelt oder aber, das die Wortwahl auf einmal anders ausfällt bzw. Wortkombinationen anders sind. Es ist so noch besser und authentischer und man kann sich noch besser in die Stimmungen der jeweiligen Szenen hineinversetzen.

Wie anfangs erwähnt war dies mein erster Roman von Neil Gaiman. Bei den anderen Büchern habe ich schon gemerkt, dass seine Art eine ganz besondere ist, aber hier merkt man es noch viel deutlicher! Anfangs war ich davon schon ganz schön geplättet, so dass ich ein paar Seiten brauchte um gut hinein zu rutschen, aber dann war es eine wahre Wonne! Absolut besonders und einmalig! Insgesamt habe ich nun drei Bücher gelesen und einen Film gesehen und bin mir ganz sicher, dass alles was aus seiner Feder stammt etwas ganz besonderes ist. Einfach jedes ein Juwel.
Ich kann mir auch (leider) gut vorstellen, dass es nicht jeder Manns Gefallen erwecken wird, aber versuchen sollte es jeder. Denn es wäre so schade, wenn diese gewaltigen Welten an einem vorbeiziehen sollten.
Seine Ideen und seine Art sind speziell und ich würde auch sagen alle etwas abgedreht und gerade das macht den besonderen Charme aus. Und das abgedreht meine ich definitiv nur positiv, aber mir fällt beim besten Willen kein besseres Wort ein 😊

So ist die Idee, dass ein London unter dem eigentlich London existiert schon sehr schön und noch gleich noch besser umgesetzt. Irgendwie ist es London und dann wieder ganz und gar nicht. Allgemein ist dort alles irgendwie … anders. In so ziemlich jeden Bereich, aber dann auch wieder doch nicht so anders. Dazu kommt noch, dass es eine eher düstere Geschichte ist und keine strahlende helle, in der die Helden zufrieden in den Sonnenuntergang reiten.

Auf dem Klappentext steht, dass viel mit urbanen Mythen und Legenden gespielt wird. Ein paar wenige konnte ich entdecken und fand es wahnsinnig interessant, endlich zu „erfahren“ warum das so ist oder zumindest sein könnte. Viele habe ich bestimmt nicht entdeckt, einfach weil ich mich nicht so in London oder auch allgemein solchen Mythen auskenne und zum anderen sind sie so dezent verpackt und in die Geschichte eingearbeitet, dass sie einfach dazu gehören und ich gar nicht richtig wusste ob alles selber erdacht ist oder auf solche Geschichten Bezug genommen wurde.
  
Wort wörtlich wird am Ende eine Tür aufgestoßen und es könnte wunderbar in ein neues Abenteuer gestartet werden. Leider hat Neil Gaiman gleich im Vorwort geschrieben, dass es keine Fortsetzung geben, es also ein Einzelband bleiben wird. Obwohl ich das ganz schade finde, ist es dennoch nicht so, dass das Ende unerfüllt wäre. Ich bin glücklich und zufrieden damit, würde gerne selber wieder die Tür öffnen, aber zum Glück habe ich nicht das Bedürfnis, dauernd gegen diese Tür trommeln zu müssen um sie gewaltvoll dazu zu bringen, sich zu öffnen. Wie er das geschafft hat weiß ich nicht, aber es ist perfekt wie es ist.

Wie bei Cover & innere Gestaltung geschrieben handelt es sich um eine neue Auflage, welche erstmals ungekürzt ist bzw. sogar noch vorher überarbeitet wurde. Inwiefern der Text sich nun verändert hat und ob man es unbedingt lesen muss, wenn man die alte Ausgabe kennt kann ich hier leider nicht sagen. Doch allein im Vorwort lässt sich schon erahnen, dass es wohl einige Änderungen bzw. auch einfach Ergänzungen gab. So z.B. einen neuen Prolog und eine zusätzlich Geschichte am Ende, wie der Marquis wieder zu seinem Mantel kam, welche erst vor ein paar Jahren geschrieben wurde.

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Kurzum
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Eine besondere Idee trifft auf einen besonderen Schreibstil und zusammen entführt einen diese Geschichte in eine Welt unter dem uns bekannten London, wie wir sie uns wohl noch nie vorgestellt haben.
Auch alte Fans werden hoffentlich auf ihre Kosten kommen, bei diesen schönen Illustrationen, dem zusätzlichen Text am Ende und auch hoffentlich auf Grund der Überarbeitung.

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Wem würde ich es empfehlen
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Eine ganz klare Empfehlung an alle Urbanfantasyfans, an Leute die gerne besondere Geschichten mögen und natürlich auch alle Fans des Autors.

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Bewertung
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★★★★★

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Dankeschön
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Ganz herzlichen Dank an den Bastei Lübbe bzw. Eichborn Verlag für die Zusendung des Rezensionsexemplares.

Herzlichst,
eure Selena

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